Junger Mann mit pinken haaren und pinker jacke mit langen fingernägeln und sonnenbrille

Caroline Fux: Warum feiern wir die Pride?

Caroline Fux: Warum feiern wir im Juni den Pride Month? 

Im Juni macht die LGBTQIA+-Community auf ihre Anliegen aufmerksam. Sexologin Caroline Fux erklärt, warum der Pride Month Juni etwas Bittersüsses hat und wie man als Verbündete für die Queer-Community auftritt. 

Warum feiern wir im Juni den Pride Month? 

Ursprünglich steht hinter dem Pride Month, den die meisten heute als positiv und bunt erleben, ein sehr ernstes Ereignis. Der Pride Month geht nämlich auf die sogenannten Stonewall Unruhen im Juni 1969 zurück.  

Was ist bei den Stonewall Unruhen passiert? 

Damals führte die Polizei eine Razzia in der New Yorker Stonewall Inn durch, einer Bar, die von homosexuellen und transidenten Menschen besucht wurde. Viele Anwesende widersetzten sich der Verhaftung, die Situation eskalierte und in den folgenden Tagen kam es schliesslich zu grossen, offenen Protesten. Die queere Community hatte genug von den wiederkehrenden, gewalttätigen Razzien. 

Der Pride Month ist also nicht nur ein Freundenfest der queeren Community? 

Er hat wie so viele Gedenkbewegungen eine bittersüsse Seite. Ja, es geht ums Feiern und um den Stolz, sich so zu zeigen, wie man ist. Deshalb spricht man auch von Pride, also Stolz. Aber es geht auch darum, an Schmerzliches zu erinnern. Queere Menschen werden immer noch diskriminiert. Weltweit, auch bei uns. Kritische Stimmen gibt es aber nicht nur wegen der verordneten Feierlaune rund um den Pride Month. 

Nämlich? 

Viele stören sich an der Kommerzialisierung. Etliche grosse Firmen lancieren heute Produkte in Regenbogenfarben. Bei nicht wenigen ist das dann aber auch das Ende der Geschichte. Schaut man auf die Firmenkultur, ist die längst nicht überall konsequent queerfreundlich. Dann ist der Pride Month nur ein PR-Stunt. 

Wie soll ich mich da als Einzelperson verhalten? Darf ich beispielsweise als heterosexuelle Person überhaupt mitfeiern? 

Mitfeiern kann ein Zeichen von Solidarität sein und die Aufmerksamkeit aufs Thema lenken. Aber es sollte nicht beim Feiern oder Tragen eines Regenbogen-Accessoires aufhören. Die Bewegung braucht nicht nur Partyfreunde, sondern echte Verbündete.  

Wie ist man eine verbündete Person der LGBTQIA+-Community? 

Indem man die Menschen dieser Community nachhaltig unterstützt. Dazu gehört, dass man sich aktiv für die entsprechenden Werte einsetzt. Dass man sich bildet. Offen ist. Ungerechtigkeiten anprangert, wenn man ihnen begegnet. Etwas sagt, wenn jemand homo- oder transphobe Äusserungen macht. Zuhört, wenn jemand Hilfe und ein offenes Ohr braucht. 

Welche Themen schauen wir uns hier im Magazin diesen Monat noch mit dir an? 

Wir werden zum Beispiel über Themen wie Geschlechtsidentität und sexuelle Orientierung sprechen. Und ich werde davon erzählen, wie queere Themen in einer sexologischen Beratung auftauchen. Also ob Personen der LGBTQIA+-Community beispielsweise andere Anliegen haben, als Hetero und Cis-Menschen. Klar ist: diese Themen lohnen sich für alle, egal, wo man sich selbst platziert und zugehörig fühlt.