Drei Frauen in der Lebensmitte am Strand als Symbol für Perimenopause, Wechseljahre und Körpergefühl

Was Perimenopause mit Körpergefühl, Lust und Selbstbild macht

Viele Frauen merken schon Jahre vor der Menopause, dass sich etwas verändert. Der Schlaf wird schlechter, die Stimmung schwankt, der Körper fühlt sich plötzlich anders an und auch die Lust kann sich verändern. Doch oft fehlt die Einordnung. Genau deshalb gibt es MenoWorld: Am 20. September 2026 dreht sich im Volkshaus Zürich einen ganzen Tag lang alles um die Wechseljahre – mit Expertinnen, Workshops und Erlebniswelt.

Im Interview mit Amorana spricht einer der Expertinnen Jeanette Kuster, Bestsellerautorin von Mittendrin, Menopause-Coach und Yogalehrerin, darüber, wie die Perimenopause Körpergefühl, Lust und Selbstbild verändern kann und was Frauen in dieser Lebensphase unterstützen kann.

Viele fühlen sich völlig alleingelassen in dieser Lebensphase.
Jeanette Kuster Bestsellerautorin & Menopause Coach

Bild von Jeanette Kuster

PERIMENOPAUSE & WECHSELJAHRE

In welchem Moment wusstest du: Über die Perimenopause muss ich ein Buch schreiben?

Ich habe irgendwann gemerkt, dass nicht nur ich selbst keine Ahnung gehabt hatte von der Perimenopause, sondern es den meisten Frauen genauso geht. Viele fühlen sich völlig alleingelassen in dieser Lebensphase, weil auch die Ärzt:innen oft nicht richtig über das Thema Bescheid wissen.

Um etwas an dieser Situation zu ändern, wollte ich ein Buch  schreiben, das einerseits aufklärt, andererseits den Frauen eine Stimme gibt und sie ihre Erfahrungen erzählen lässt. In der Hoffnung, dass das mithilft, das Tabu zu brechen und das Reden über die Wechseljahre zu normalisieren.

Warum fühlen sich viele Frauen vom Begriff Wechseljahre noch gar nicht gemeint, obwohl sie mittendrin sind?

Viele glauben, die Wechseljahre kämen erst irgendwann nach 50 auf sie zu. Das war bei mir nicht anders: Ich dachte früher, nach 50 würde irgendwann meine Periode stoppen, ich bekäme eventuell ein paar Wallungen und das wars dann. Dass die Hormonspiegel aber schon Jahre zuvor extrem zu schwanken beginnen und das unzählige Symptome auslösen kann, war mir nicht bewusst.

Deshalb finde ich es toll, dass der Begriff Perimenopause allmählich geläufiger wird und den Frauen bewusst wird, dass diese Phase bis zu zehn Jahre vor der letzten Blutung (der Menopause) beginnen kann. Da wir im Schnitt mit 51 in die Menopause kommen, wird somit schnell klar, dass die meisten in den Vierzigern ihre Perimenopause durchleben, manche sogar noch früher.

Welche Symptome werden oft nicht mit der Perimenopause in Verbindung gebracht?

Schwindel, Gelenkschmerzen, neu auftretende Allergien, ständige Blasenentzündungen, trockener Mund oder juckende Ohren, um nur ein paar zu nennen.

Natürlich können all diese Symptome auch andere Gründe haben, aber sie können eben genauso durch die Perimenopause ausgelöst werden. Auch psychische Beschwerden wie Angststörungen oder depressive Verstimmung werden häufig nicht der hormonellen Umstellung zugeordnet.

Die Perimenopause kann bis zu zehn Jahre vor der letzten Blutung beginnen.

KÖRPERGEFÜHL & SELBSTBILD

Viele Frauen beschreiben, dass sie sich im eigenen Körper plötzlich fremd fühlen. Was steckt dahinter?

Man spürt, dass etwas nicht mehr gleich funktioniert wie früher, aber kann es anfangs nicht einordnen. Manchmal fühlt man sich auch nicht mehr wie sich selbst, weil man plötzlich anders auf seine Umgebung reagiert, vielleicht schneller wütend wird und seine Emotionen nicht mehr so gut kontrollieren kann.

Bisweilen kommt dieses Empfinden auch daher, dass sich die Figur verändert und man zunimmt, ohne dass man etwas an seiner Lebensweise verändert hätte. Das macht vielen Frauen zu schaffen, besonders wenn das Gewicht in einer sehr kurzen Zeitspanne stark ansteigt.

Was hilft, wieder eine gute Verbindung zum eigenen Körper aufzubauen?

Alles, was einen den Körper direkt spüren lässt. Yoga kann helfen, weil man sich dabei nicht nur bewegt, sondern auch mit der Atmung arbeitet und aktiv in den Körper hineinspürt. Oder ein Spaziergang, auf dem man ganz bewusst den Boden unter den Füssen wahrnimmt, den Duft der Bäume und das Gezwitscher der Vögel.

Auch ein entspannendes Bad oder das Einölen des Körpers können einen dabei unterstützen, den eigenen Körper wieder stärker wahrzunehmen und ihn wieder lieb zu gewinnen, wenn er sich gerade verändert.

Warum kann die Menopause auch eine positive Lebensphase sein?

Sehr viele Frauen sagen, dass sie durch die Wechseljahre näher zu sich selbst finden oder sogar erst dann ihr wahres Ich entdecken. Man wird durch diese, in vielen Fällen sehr herausfordernde, Transformation sozusagen gezwungen, genauer bei sich selbst hinzuschauen und sich zu fragen, was einem guttut und was nicht.

Das bewegt einige Frauen dazu, nach der Menopause nochmals einen neuen Weg einzuschlagen, sei das beruflich oder privat. Sehr viele entdecken zudem ein neues Selbstbewusstsein nach der Menopause und lassen sich nicht mehr so viel gefallen.

Man spürt, dass etwas nicht mehr gleich funktioniert wie früher, aber kann es anfangs nicht einordnen.

LUST & BEWEGUNG

Wie verändert sich Begehren in dieser Phase?

Darauf gibt es keine allgemeingültige Antwort. Es gibt Frauen, die haben phasenweise sogar mehr Lust als früher, viele merken allerdings, dass ihre Lust eher abnimmt. Die Gründe dafür sind vielschichtig – die Libido ist nichts Eindimensionales.

Welche körperlichen Veränderungen, über die kaum jemand spricht, beeinflussen die Lust in den Wechseljahren?

Scheidentrockenheit ist besonders nach der Menopause sehr verbreitet und kann zu Schmerzen beim Geschlechtsverkehr führen – verständlicherweise hat man dann keine Lust mehr darauf. Dem Problem kann man mit lokal wirkenden Östrogenprodukten oder hormonfreien Gels begegnen.

Hat eine Frau ganz generell überhaupt keine Lust mehr auf Sex, kann das theoretisch an einem Testosteronmangel liegen. Das Testosteron sinkt zwar nicht aufgrund der Wechseljahre, sondern wegen dem Älterwerden, ist aber oft genau in dieser Lebensphase auf einem sehr tiefen Wert.

Wenn man das vermutet und darunter leidet, sollte man mit der Gynäkologin darüber sprechen.

Du unterrichtest Yoga. Was macht Bewegung mit Körpergefühl und Stress?

Moderate Bewegung senkt den Cortisolspiegel, baut also Stress ab. Im Yoga arbeiten wir zudem mit der Atmung, wodurch wir unser Stresslevel ganz direkt beeinflussen können: Eine verlängerte Ausatmung aktiviert den Parasympathikus, das ist der Teil des Nervensystems, der für die Entspannung zuständig ist.

Und weil wir den Fokus beim Praktizieren immer wieder auf bestimmte Körperbereiche oder eben auch die Atmung lenken, schulen wir automatisch das Körpergespür. Es überrascht mich deshalb nicht, dass diverse Studien dem Yoga eine positive Wirkung auf Wechseljahresbeschwerden zuschreiben.

Die Libido ist nichts Eindimensionales.

Warum es die MenoWorld braucht

Dass viele Frauen lange nicht wissen, was mit ihrem Körper passiert, kennt auch Shiva Arbabi, Gründerin der MenoWorld aus eigener Erfahrung.

„Ich war noch keine 40, als mein Körper plötzlich verrücktspielte. Ich wusste lange nicht, was mit mir los war und niemand sagte mir, dass das die Perimenopause sein könnte. Nach einer zehnjährigen Ärzteodyssee und viel eigener Recherche wurde mir klar, wie gross das Defizit ist und wie sehr Frauengesundheit in Medizin und Forschung bis heute vernachlässigt wird.“

Daraus entstand die Idee zur MenoWorld. Am 20. September sprechen im Volkshaus Zürich Expertinnen über Hormone, Schlaf, Sexualität, Brustgesundheit und Healthy Aging. Auch Jeanette Kuster ist Teil des Programms und spricht gemeinsam mit Prof. Dr. med. Petra Stute über Hormone aus dem Gleichgewicht.

„Unser Körper besteht nicht aus einzelnen Abteilungen. Wenn Hormone den Schlaf, das Körpergefühl oder die Lust verändern, betrifft das die ganze Frau. Und Healthy Aging beginnt nicht erst mit 70, sondern genau jetzt.“
„Wir wollen die Wechseljahre feiern. Sie sind im Grunde ein Update. Nur die Bedienungsanleitung hat uns niemand mitgegeben. Genau dafür gibt es MenoWorld. Unser Ziel ist simpel: Die Frauen sollen mit mehr Wissen und Klarheit nach Hause gehen, als sie am Morgen reingekommen sind.“

20. September 2026 · Volkshaus Zürich

Auch Amorana ist vor Ort und beantwortet am eigenen Stand Fragen rund um Sexual Wellness und unsere Produkte.

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Jeanette Kuster
Jeanette Kuster
Bestsellerautorin, Menopause-Coach and Yogalehrerin

Jeanette Kuster ist Autorin des Bestsellers «Mittendrin – Die Perimenopause meistern», dipl. Menopause-Coach und Yogalehrerin. Sie engagiert sich aktiv für die Enttabuisierung der Wechseljahre, berät Unternehmen strategisch und begleitet Frauen in persönlichen Online-Coachings durch diese transformative Zeit. Ihr Wissen gibt sie zudem in Workshops, Vorträgen und Retreats weiter. Dabei verbindet sie fundierte Aufklärung mit praktischen Yoga-Elementen für den Alltag.

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