Body-to-Body-Massage zu Hause: Anleitung aus der Praxis

Body-to-Body-Massage zu Hause: Anleitung aus der Praxis

Die meisten Body-to-Body-Massagen zu Hause scheitern nicht an der Technik. Sie scheitern an einem kühlen Schlafzimmer, an einem Öl, das auf dem Nachttisch steht statt in Griffweite, und an einem Bettlaken, das danach nie mehr ganz sauber wird.

Ich massiere seit 2007, zuerst klassisch, später tantrisch und erotisch. Heute leite ich Spa Sensuel in Dielsdorf bei Zürich und führe dort ein Team von über zehn Masseurinnen. Was mein Team und ich jeden Tag im Studio bei unseren Body-to-Body-Massagen erleben, gebe ich hier an Paare weiter, die es zu Hause ausprobieren möchten.

Was ist eine Body-to-Body-Massage?

Bei einer Body-to-Body-Massage massierst du nicht nur mit den Händen. Du setzt deinen ganzen Körper ein und gleitest auf gut geölter Haut über den Körper deines Gegenübers. So entsteht eine Nähe, die keine Handmassage erreicht: Haut an Haut, Wärme an Wärme. Eine bekannte Variante ist die Nuru-Massage aus Japan, bei der statt Öl ein wasserlösliches, besonders glitschiges Gel verwendet wird.

Die wichtigste Entscheidung fällt vor dem ersten Tropfen Öl

Besprecht vorher, ob ihr eine reine Massage wollt oder ob die Massage ins Vorspiel übergehen soll. Das klingt wenig romantisch. Es entscheidet aber über den Ablauf, die Techniken, das Setting und vor allem über das Produkt, das ihr verwendet.

Der Grund ist Chemie: Öl und Fett greifen Latex an. In einer Laborstudie genügten schon sechzig Sekunden Kontakt mit Mineralöl, um die Belastbarkeit von Latexkondomen um rund 90 Prozent zu senken. Die Aids-Hilfe Schweiz empfiehlt deshalb für Sex mit Kondom ausschliesslich Gleitmittel auf Wasser- oder Silikonbasis, weil fettige Produkte Kondome durchlässig und reissanfälliger machen, auch wenn man ihnen keinen Schaden ansieht.

Soll die Massage in Sex mit Kondom übergehen, habt ihr zwei Möglichkeiten:

• Ohne Öl massieren. Ihr nehmt ein wasser- oder silikonbasiertes Massageprodukt. Silikon gleitet länger, darf aber nie mit Sextoys aus Silikon verwendet werden. Mehr dazu steht im Gleitgel-Ratgeber von Amorana.

• Latexfreie Kondome nehmen. Kondome aus Polyurethan oder Nitril vertragen Öl. Vorsicht bei Polyisopren: Obwohl es latexfrei ist, gilt dafür dieselbe Regel wie bei Latex, also nur Gleitmittel auf Wasser- oder Silikonbasis.

Übersicht, welche Massageprodukte zu Body-to-Body, Intimbereich, Kondomen und Bettwäsche passen


Welches Öl eignet sich für eine Body-to-Body-Massage?

 

Ich habe über die Jahre unzählige Öle ausprobiert. Heute arbeitet mein ganzes Team mit einem neutralen Massageöl aus der Schweiz. Für mich zählen vier Dinge: ein neutraler Duft, eine reine Rezeptur ohne Zusätze, die richtige Viskosität und gute Hautverträglichkeit. Die letzten beiden merkt man leider erst beim Massieren. Kauft deshalb lieber zuerst eine kleine Flasche.

Von Speiseölen aus der Küche wie Sonnenblumen- oder Olivenöl rate ich ab. Sie ziehen schnell in die Haut ein, und dann fehlt das Gleiten. Im Intimbereich haben sie nichts zu suchen: Bei Frauen können sie die Scheidenflora aus dem Gleichgewicht bringen und Pilzinfektionen begünstigen. Eine US-Studie fand bei 44 Prozent der

Frauen, die Öle vaginal verwendet hatten, eine Candida-Besiedelung, verglichen mit 5 Prozent ohne diese Praxis.

Paaren empfehle ich reines, natives Kokosöl oder Jojobaöl. Beide duften dezent, gleiten gut und eignen sich auch für die Massage des äusseren Intimbereichs. In die Vagina gehört aber auch dieses Öl nicht. Dort ist ein wasserbasiertes Gel die bessere Wahl. Zwei praktische Hinweise: Kokosöl wird unter etwa 24 Grad fest und schmilzt im Wasserbad schnell wieder. Jojobaöl ist genau genommen ein flüssiges Wachs und wird kaum ranzig.

Ist gerade nichts anderes zur Hand, tun es für den Körper auch Babyöl, mit Wasser verdünntes Aloe-vera-Gel oder eine dünnflüssige Bodylotion. Für den Intimbereich sind sie nicht gedacht, und Babyöl und Bodylotion vertragen sich nicht mit Latexkondomen. Wer zu Allergien neigt, testet ein neues Produkt vorher an einer kleinen Hautstelle.

Wie viel Öl, und wie warm?

Die Menge ist Geschmackssache und hängt von der Massage ab. Wer Muskeln durchkneten will, nimmt wenig Öl, sonst fehlt der Grip. Bei Body-to-Body ist es umgekehrt: Wer den ganzen Körper einsetzt, braucht deutlich mehr. 100 bis 150 Milliliter sind keine Seltenheit. Manchmal wird es fast ein Ölbad, und genau das macht den Reiz aus.

Warm soll das Öl sein, deutlich wärmer als die Haut, aber nie heiss. Ideal sind etwa 38 bis 43 Grad. In meinem Team erwärmen wir die Öle im Wasserbad, und jede Masseurin testet die Temperatur zuerst an der eigenen Hand, bevor ein Tropfen auf die Haut unserer Gäste kommt. Zu Hause genügt eine Schüssel mit heissem Wasser. Mit einem elektrischen Ölwärmer lässt sich die Temperatur aufs Grad genau einstellen. Die Mikrowelle würde ich meiden, weil sie ungleichmässig erwärmt.

Raum und Unterlage: So bleibt es warm und die Matratze sauber

Die ideale Raumtemperatur liegt bei 25 bis 28 Grad. Das ist wärmer als in den meisten Schlafzimmern. Wer aber nackt und eingeölt daliegt, kühlt schnell aus, und Frauen frieren meist schneller. Legt deshalb eine Heizmatte und eine weiche Decke bereit.

Im Studio massieren wir auf Bodenmatratzen mit wasser- und ölfesten, abwaschbaren Bezügen. Das empfehle ich auch zu Hause: eine Matratze oder dicke Matte am Boden, darüber ein abwaschbarer Schutzbezug. Normale Bettwäsche ist für Body-to-Body ungeeignet, denn Ölflecken gehen oft nie mehr ganz heraus. Wir arbeiten mit Frotteetüchern, weil man sie heiss waschen kann. Auch Pannesamt eignet sich.

Und legt alles bereit, bevor ihr beginnt: Öl, warme Tücher, ein Getränk. Wer mitten in der Massage aufstehen muss, weil das Öl auf dem Nachttisch steht, bricht die Stimmung. Dasselbe gilt für grelles Licht und Lärm

Raumtemperatur 25 bis 28 Grad, Öltemperatur 38 bis 43 Grad, bis 150 ml Öl, Unterlage, Griffweite und Zeit


So läuft eine Body-to-Body-Massage ab

Die Masseurinnen in meinem Team bringen sehr unterschiedliche Hintergründe mit. Massageerfahrung ist aber bei allen Voraussetzung, ohne sie kommt niemand ins Team. Entsprechend gestaltet jede ihre Body-to-Body-Massage etwas anders. Der Grundaufbau ist aber immer gleich, und er funktioniert auch zu Hause:

1. Ankommen und reden. Bei uns beginnt jede Massage mit einem Vorgespräch bei einem Getränk. Zu Hause ist das der Moment für Wünsche und Grenzen und für die Entscheidung, ob es eine reine Massage bleibt.

2. Duschen. Warmes Wasser wärmt auf und hilft, im Moment anzukommen.

3. Ruhig beginnen. Starte mit Händen und Füssen, mit Druckpunkten oder einer Nacken- und Schultermassage. Lass jeden Griff wirken, bevor du zum nächsten wechselst.

4. Sinnlichkeit aufbauen. Nach und nach kommen sinnliche Berührungen und Teasing dazu. Der Intimbereich darf einbezogen werden, aber noch ohne direkten Fokus darauf.

5. Body-to-Body. Jetzt kommt mehr Öl ins Spiel, und du setzt deinen ganzen Körper ein. Stütz dein Gewicht mit Armen und Knien ab, damit du gleitest und nicht drückst. Wenn ihr es vorher so vereinbart habt, mündet dieser Teil in eine Intimmassage oder ins Vorspiel.

6. Nachklingen. Nimm das Öl mit warmen Tüchern vom Körper deines Gegenübers und lass ihn oder sie noch ein paar Minuten zugedeckt liegen. Danach duscht ihr.

Die fünf häufigsten Fehler

• Zu wenig Zeit. Eine Massage braucht bewusst freigehaltene Zeit. Zwischen zwei Terminen funktioniert sie nicht.

• Zu feste Erwartungen. Wer auf eine bestimmte Reaktion wartet und sie nicht bekommt, bringt die Stimmung schnell zum Kippen.

• Kein vorbereitetes Setting. Kalter Raum, helles Licht, Lärm, eine unbequeme Unterlage, das Öl ausser Reichweite.

• Zu schnell und zu zielorientiert. Viele springen von Griff zu Griff oder wollen ihr Gegenüber sofort erregen und gehen zu früh an die erogenen Zonen. Gerade bei Frauen geht das oft nach hinten los.

• Keine Kommunikation. Viele fürchten, ein Wort würde die Stimmung zerstören. Dabei ist von Stimmung keine Rede mehr, wenn dein Gegenüber etwas einfach über sich ergehen lässt.

Nach der Massage: Dusche, Wäsche, Sicherheit

Eingeölte Füsse auf Fliesen oder Parkett sind rutschig. Steht langsam auf, legt ein Handtuch vor die Matte und seid in der Dusche besonders vorsichtig.

Ölige Frotteetücher wascht ihr am besten heiss und mit einem kräftigen Waschmittel. Das hat noch einen zweiten Grund: Öl, das in Textilien zurückbleibt, kann mit dem Sauerstoff der Luft reagieren und sich erhitzen. Die deutsche Berufsgenossenschaft BGN hat zwischen 2004 und 2019 in Betrieben 47 Wäschebrände durch Selbstentzündung gezählt, teils Stunden nach dem Trocknen. Lasst den Trockner deshalb seine Abkühlphase beenden und stapelt frisch getrocknete Tücher erst, wenn sie abgekühlt sind.

Das Wichtigste zum Schluss

Die beste Technik nützt nichts ohne Präsenz. Nimm dein Gegenüber wirklich wahr: die Reaktionen, den Atem, wie der Körper auf deine Berührungen antwortet. Schliess nicht von dir auf den anderen. Was dir gefällt und guttut, kann für dein Gegenüber unangenehm oder sogar abtörnend sein. Genau darin liegt der Unterschied zwischen einer Massage, die man bekommt, und einer, die man erlebt.

Häufige Fragen zur Body-to-Body Massage

Welches Öl eignet sich für Body-to-Body?

Ein neutrales Massageöl ohne Zusätze oder reines Kokos- oder Jojobaöl. Speiseöle aus der Küche ziehen zu schnell ein.

Kann man nach einer Ölmassage mit Kondom Sex haben?

Nur mit Kondomen aus Polyurethan oder Nitril. Latex- und Polyisoprenkondome werden durch Öl geschwächt. Alternativ massiert ihr mit einem wasser- oder silikonbasierten Produkt.

Wie warm sollte es für eine Body-to-Body-Massage sein?

Der Raum 25 bis 28 Grad, das Öl 38 bis 43 Grad.

Gehen Ölflecken aus der Bettwäsche wieder raus?

Oft nicht mehr ganz. Legt deshalb Frotteetücher oder einen abwaschbaren Bezug unter.